Nanny Ogg, Fortsetzung

Jan 30, 2010

Gemäß einer Technik, die ich von einem erhaltenen Tournürenkleid abgekupfert hatte, habe ich alle Oberstoff-Schnitteile rechts auf rechts auf die Futter-Teile gelegt und knapp 5 mm von der Kante weg jeweils die Längsnähte und die Schulternähte zusammengenäht. Die habe ich kräftig auseinandergebügelt, dann die Teile umgedreht und die Kanten eingebügelt. Erst dann habe ich die jeweiligen Schnitteile aneinandergenäht. Auf diese Weise sind die Innennähte gleich versäubert.


Die Anprobe ergab, daß ich trotz der weggenähten 1 cm pro Naht (was vermutlich Göße 22 entspricht) nochmal ca. 2 cm an den Vorderkanten wegnehmen mußte. Da die schon rechts-auf-rechts zugenäht waren, mußte ich sie noch einmal öffnen. Das hasse ich so an Gründerzeitklamotte: Sie paßt nicht ohne Abstecken (wofür man jemanden mit Ahnung braucht), und selbst dann ist es reine Glückssache.

Das Trachtenmieder muß nun eine Weile warten, weil ich für eine Scheibenwelt-Mottoparty anfang Februar noch eine passende Klamotte brauche. Ich spiele Nanny Ogg, die als Hexe schwarz trägt, dazu rote Stiefel und eine spitzen Hut. Da ich bei einer Shrek-Mottoparty ein Gewand aus Pannesamt gemacht und den Stoff gehaßt hatte, habe ich beschlossen, diesmal etwas zu machen, das ich auch fürs Hobby brauchen kann. Schwarz ist im 18. Jh. eher nicht verbreitet, aber in meiner Zweitepoche, dem späten 19. Jh., ist es die Farbe für Festtagskleidung der Kleinbürger. Der Oberstoff ist schwarzer Ditte vom Elch.

Als Vorlage für das Oberteil benutzte ich #905 Front Closing Bodice von Past Patterns. Für den Rock hatte ich bereits den Four-gore Underskirt von Truly Victorian, der meines Erachtens für jeden Basisrock der Zeit geeignet ist. Von einem eventuellen Überrock (d.h. der zeittypischen Schürzendrapierung) glaube ich, daß ich das auch ohne Vorlage hinkriege.

Laut Maßtabelle für das Oberteil hätte ich Größe 26 ausschneiden müssen, die es nicht gibt. Ich nahm Größe 24 und gab bei allen Körper-Quermaßen ein paar Millimeter zu, während ich an Schulter, Armloch, Unterkante und am Ärmel 24 ausschnitt – schließlich bin ich breit, aber nicht groß (daher auch Nanny Ogg). Beim abstecken stellte sich heraus, daß ich mir die Mühe nicht hätte machen müssen: An allen Nähten mußte ich 1 cm wegnehmen. Größe 22 hätte locker gereicht, obwohl ich darunter nur mein relativ loses Arbeitskorsett trug.

Normalerweise muß man die Schnitteile nur auf den Stoff auflegen und drumherum schneiden, aber bei Taillen des 19. jh. stellen die Abnäher ein Problem dar: Schneidet man sie ganz aus, verzieht sich der Schnitt dort. Schneidet man sie gar nicht aus, muß man sie mit Kopierpapier durchradeln, und irgendwann ist das Papier so perforiert, daß es reißt. Meine Lösung ist, die Abnäher teilweise auszuschneiden: Das Dreieck oben wird weggeschnitten, dann bleibt ein Querbalken stehen, dann wird wieder etwas weggeschnitten, und ganz unten bleibt wieder ein Querbalken stehen. Auf diese Weite kann man den Abnäher anzeichnen und muß nur dort, wo die Querbalken sind, ein bißchen Augenmaß anwenden.

Ich habe zuerst alle Schnitteile auf den Oberstoff aufgezeichnet und ausgeschnitten. Dann erst konnte ich mich zu einem Futterstoff durchringen: einem karierten Baumwollstoff.
Um die Abnäher vom Oberstoff auf die Innenseite des Futters zu übertragen, steckte ich (senkrecht!) Nadeln alle 2-3 cm durch die angezeichnete Linie. Dann drehte ich das Schnitteil um und zog Linien von einer Nadel zur nächsten. Auch wenn diese Linien nicht allzu genau und glatt waren: Das Abstecken und endgültige Nähen glättete sie automatisch.

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Dank des ungewöhnlich hellen Novembers und des Weihnachtsurlaubs habe ich mittlwerweile das Rückenteil fertig und bin am zweiten Vorderteil. Zwischen den Jahren ging das schwarze Stickgarn aus, aber am 4.1. kam der Nachschub an. Die Papp-Unterlagen schwärze ich mittlerweile mit so etwas wie Edding, weil Tusche zu stark glänzt und eher grau als schwarz wirkt.

Rückenteil, darunter das Original

Rückenteil

Trachtenmieder 2a

Dec 6, 2009

Wie erwartet, geht es mit der Stickerei nur schleppend voran: Nur bei hellem Tageslicht kann ich sticken, d.h. an nicht allzu trüben Wochenenden. Reines Glück, daß es im November (!) davon mehrere gab.

Ein Vorderteil ist inzwischen fertig; nun bin ich an einer Hälfte des Rückenteils.
stick_detail2

Das Trachtenmieder, das ich mal auf die Schnelle für eine Veranstaltung zusammengedengelt hatte (siehe Kategorie “Trachtenmieder 1“), mache ich jetzt endlich neu. Diesmal ist der Oberstoff schwarzer Wollsatin. Der war gar nicht leicht zu finden und – man glaubt es kaum bei einem eigentlich so einfachen Stoff – einer der teuersten, die ich je verarbeitet habe: 49 Euranten den Meter. Nur gut, daß ein halber Meter reicht! Vorlage
 
Das Problem mit dem ursprünglichen Mieder war, daß sich das Peddigrohr durch den Oberstoff nach außen bohrte. Der Wollsatin ist in der Hinsicht bestimmt nicht besser. Deshsalb verarbeite ich ihn zusammen mit Leinen als eine Lage. Zusammen kommen sie dann auf die zweilagige Basis mit den Stäben darin, und innen dann noch Futter – macht fünf Lagen. Allzu dick sollte also keiner der Stoffe sein. Deshalb werde ich vermutlich diesmal auf Rupfen verzichten und stattdessen Leinen nehmen.
 
Phase eins aber ist das besticken. Erst werden Wollsatin und Leinenlage über die ganze Fläche glatt aufeinandergeheftet, dann der erste Teil des Musters mit weißem Bunstift angezeichnet. Die Markierung geht wieder raus, verschwindet aber nicht gar so schnell wie Schneiderkreide – und natürlich lassen sich mit Bunstiften viel feinere Linien zeichnen.
 
Die Vorlage ist dieses erhaltene Mieder. Die Stickerei ist in einer Art Perlgarn ausgeführt, nur viel dünner als das normale heutige Perlstickgarn – etwa so dick wie Knopflochseide. Ich verwende Soie Perlée von Au ver a Soie. Bis auf die Stengel sind alle Musterteile – stilisierte Rosenblüten und Blätter – mit Karton unterlegt. Einen knappen Millimeter dick sollte die Pappe sein, und da sie nicht zwischen den Plattstichen durchscheinen soll, färbe ich sie vorher schwarz ein. Leider kann ich momentan kaum daran weiterarbeiten, weil Schwarz auf Schwarz wahnsinnig auf die Augen geht, sofern man nicht sehr, sehr viel Licht hat. Kunstlicht reicht da kaum.
 

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Endgame

Oct 5, 2009

Mit Hilfe eines zusätzlichen Urlaubstages habe ich es gerade noch geschafft, die Robe fertigzukriegen: Um Mitternacht wurde sie fertig, am nächsten Morgen ging es los. Bei der Premiere zeigten sich einige Schwachpunkte, die ich noch beseitigen muß: Die Goldborte beschwert die Volants so sehr, daß sie die Köpfe neigen. Vermutlich werde ich die Außenkanten der Volants auf dem Grundstoff aufnähen. Auch die Stecker-Deko werde ich wohl nochmal ändern.
 
fertig
 
Fazit: Ich habe 6,7 Meter eines 1,5 Meter breiten Stoffes verbraucht, dazu 26 Meter Goldborte und etwas über 150 Meter Seiden-Nähgarn.

Rock, die Zweite

Sep 28, 2009

Beim Rock habe ich nun die obligatorische Kuhle in die Oberkante gemacht. Beim nochmaligen nachmessen für die (vordere) Rocklänge stellte ich fest, daß es ganz gut war, den Saum sparsam umzulegen: zwei Zentimeter kürzer, und ich wäre verratzt gewesen. Die vordere Rocklänge beträgt bei 4-cm-Absätzen 90 cm. Die Differenz zur seitlichen Rocklänge betrug 13 cm, aber ich wollte ja ein etwas größeres Panier… ohne aber Probleme zu bekommen, wenn ich Poschen oder das kleine Panier unter dem Rock trage… also messe ich an den senkrechten Nähten des Rockes 90+14 cm vom Saum aus aufwärts. Bleiben die oben erwähnten zwei Zentimeter. Falls das künftige Panier also noch breiter sein sollte, könnte ich da noch etwas rauslassen. continue reading »

Rock

Sep 23, 2009

Da ich an einem Feierabend ungern große Trümmer in die Hand nehme und/oder kniffelige Arbeiten mache, muß das einsetzen der Ärmel noch warten. Ich kann unmöglich so eine Menge raschelnden Taft durch die Gegend ziehen und dann von den Katzen erwarten, daß sie ihre Krallen davon lassen!
 
Ich mache also erstmal den Rock. Da ich locker genug Stoff habe, tue ich mir die Arbeit eines Mogelrocks nicht an, sondern hause vielmehr: 3,5 Meter Rockumfang! Ja! Und… äh… dementsprechend 3,5 Meter Saum. Mehr Arbeit als nötig – dumm gelaufen. continue reading »

Striffeln

Sep 16, 2009

Ärmelvolants vorher anbringen oder nicht? Egal, ich mache sie erstmal soweit fertig, dann kann ich immer noch entscheiden.
Streng genommen müßte ich die Kanten durch zweifaches Umlegen versäubern, so wie überall anders auch. Aber leider habe ich beim durchblättern meiner schlauen Bücher keinen einzigen Ärmelvolant gefunden, dessen Unterkante nicht in Bögen oder Wellen geschnitten war. Bögen zweifach umlegen? Nein danke!
 

Ärmelvolants

Ärmelvolants


Das einzig realistische ist also Auszäcken. Auf die Weise kann ich endlich mal die Bogenschere ausprobieren, die ich in weiser Voraussicht sofort gekauft habe, als sie auf den Markt kam, obwohl sie sauteuer war: Bald darauf gab es sie schon nicht mehr. Die Schere schneidet wirklich gut. Ich schätze, es geht genauso schnell oder gar schneller als Auszäcken mit dem Zäckeisen, selbst wenn man Bögen schneiden muß und darauf aufpaßt, keine halben Bögen (von den kleinen) zu schneiden. continue reading »

Streiflicht

Sep 13, 2009

Während des wartens auf eine Absteckhilfe habe ich nun einen Streifen von 6 x 500 und einen von 30 x 250 cm gesäumt (doppelt umgelegt) und Borte aufgesetzt. Der schmale, lange ist für die Vorderkante, der breitere kommt vorn quer auf den Rock.

Besatzstreifen in verschiedenen Stadien

Besatzstreifen in verschiedenen Stadien


 
Da nun die Abnäher gemacht sind, kann es an die leidige Aufgabe des Armel-Einsetzens gehen. Leidig, weil 1. der genaue Verlauf des Armlochs erst noch bestimmt werden muß und es 2. immer wieder ein Kampf ist, bis der Ärmel gut sitzt: Einheften, kontrollieren, raustrennen, etwas drehen, wieder einheften…
 
Vor dem einsetzen der Ärmel ist es sinnvoll, deren Unterkante zu versäubern. Wie sinnvoll es ist, die Ärmelvolants auch schon vorher anzubringen, da bin ich unschlüssig: Man muß nicht die ganze Robe durch die Gegend schleifen, wenn man die Volants aufsetzt, aber dafür sind sie beim Einsetzen der Ärmel auch ganz ordentlich im Weg.